Abschreibungen einfach erklärt: AfA-Grundlagen

Veröffentlicht: 1. März 2026 | Kategorie: Buchhaltung

Zusammenfassung: Abschreibung (AfA) ist eine der wichtigsten Möglichkeiten für Unternehmer, ihre Steuerlast zu senken. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Abschreibungen funktionieren, welche Betriebsmittel abgeschrieben werden können und wie Sie diese richtig in Ihrer Buchführung berücksichtigen.

Was ist Abschreibung (AfA)?

Abschreibung (AfA = Absetzung für Abnutzung) ist ein zentrales Konzept der Betriebswirtschaft. Es beschreibt die Möglichkeit, die Anschaffungskosten von Betriebsmitteln über mehrere Jahre hinweg als Betriebsausgaben geltend zu machen. Das ist deshalb notwendig, weil sich Betriebsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge oder Gebäude durch ihre Nutzung abnutzen und ihre Wertigkeit dadurch sinkt.

Aus steuerlicher Perspektive ist die Abschreibung eine legitime Betriebsausgabe, die Sie von Ihren Gewinnen abziehen können. Das reduziert Ihre Steuerlast erheblich. Der Trick: Sie können den Kaufpreis nicht sofort komplett absetzen, sondern müssen ihn über die wirtschaftliche Nutzungsdauer des Gegenstands verteilen – ausgerechnet so, wie dieser sich tatsächlich abnutzt oder altert.

Beispiel: Sie kaufen als Handwerker einen Firmenwagen für 40.000€. Sie können nicht die ganzen 40.000€ im Kaufjahr von Ihren Einnahmen abziehen. Stattdessen teilen Sie die Kosten auf die Jahre auf, in denen Sie das Fahrzeug nutzen. Wenn der Wagen typisch 5 Jahre genutzt wird, können Sie jährlich 8.000€ abschreiben.

Warum ist Abschreibung für Unternehmer so wichtig?

Die Abschreibung hat drei zentrale Funktionen für Ihr Geschäft:

1. Steuerersparnis durch Gewinnminderung

Abschreibungen reduzieren Ihren steuerpflichtigen Gewinn. Jeder Euro Abschreibung ist ein Euro weniger zu versteuerndes Einkommen. Wenn Sie in der Einkommensteuer mit 42% Grenzsteuersatz rechnen, spart jeder Abschreibungseuro Sie 0,42€ in Steuern ein. Über mehrere Jahre addiert sich das zu beachtlichen Summen.

2. Realistische Gewinnermittlung

Die Abschreibung sorgt dafür, dass Ihre Buchhaltung die wirtschaftliche Realität abbildet. Ein Fahrzeug, das Sie 2026 kaufen, ist 2031 weniger wert. Das muss sich auch in Ihrer Bilanz widerspiegeln. Wer Abschreibungen ignoriert, verschleiert seine tatsächliche Rentabilität.

3. Transparenz für Finanzamt und Banken

Banken und das Finanzamt erwarten, dass Sie Abschreibungen sachgerecht vornehmen. Das ist nicht nur rechtlich erforderlich, sondern auch ein Zeichen guter Buchführung. Fehlerhafte oder fehlende Abschreibungen können zu Betriebsprüfungen führen.

Welche Betriebsmittel können abgeschrieben werden?

Grundsätzlich können Sie alle Betriebsmittel abschreiben, die folgende Bedingungen erfüllen:

Betriebsmittel Normalwertnutzungsdauer Besonderheit
Maschinen und Anlagen 3–8 Jahre Abhängig von Art und Industriezweig
Pkw und Lieferwagen 5–6 Jahre Elektrofahrzeuge ggf. andere Dauer
Computerausrüstung 3 Jahre Schnelle technische Veralterung
Mobiliar und Einrichtung 8–10 Jahre Büromöbel typisch 10 Jahre
Betriebsgebäude 40 Jahre Linear, bei Altbauten teilweise 50 Jahre
Grundstücke Nicht abschreibbar Grund und Boden verliert nicht an Wert

Lineare vs. degressive Abschreibung

Es gibt zwei grundsätzliche Abschreibungsmethoden:

Lineare Abschreibung

Bei der linearen Abschreibung wird der Wert des Wirtschaftsgutes gleichmäßig über die Nutzungsdauer verteilt. Die Formel lautet: Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer = jährliche Abschreibung.

Beispiel: Ein Firmen-Laptop kostet 1.200€ und hat eine Nutzungsdauer von 3 Jahren. Jährliche Abschreibung: 1.200€ ÷ 3 = 400€ pro Jahr.

Die lineare Abschreibung ist das Standard-Verfahren und die einfachste Methode. Sie wird verwendet, wenn keine anderen Bestimmungen gelten.

Degressive Abschreibung

Bei der degressiven Abschreibung ist der Abschreibungsbetrag in den ersten Jahren höher und nimmt dann ab. Das entspricht oft der Realität: Fahrzeuge und Maschinen verlieren in den ersten Jahren mehr an Wert als später.

Die degressive Abschreibung wurde nach 2020 wieder eingeführt. Sie darf maximal das Dreifache der linearen Abschreibung betragen, ist aber auf 30% Höchstquote begrenzt. Diese Methode ist interessant für Unternehmen, die schnell hohe Steuererleichterungen brauchen.

Beispiel (degressive AfA): Derselbe Laptop wie oben mit linearer Abschreibung wäre 400€/Jahr. Mit degressiver Abschreibung (z.B. 20% vom Restwert) würde es so aussehen:

Anschaffungskosten bis 800€ – Sofortabzug

Betriebsmittel mit Anschaffungskosten bis 800€ netto können sofort als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Sie müssen nicht abgeschrieben werden. Das ist praktisch für kleine Investitionen und vereinfacht die Buchhaltung erheblich.

Beispiele für Sofortabzug:

Wichtig: Die 800€-Grenze ist eine Netto-Grenze (ohne Umsatzsteuer). Wenn Ihr Bürostuhl inklusive Mehrwertsteuer 420€ kostet, ist der Netto-Preis relevant für die Grenze, nicht der Brutto-Preis.

Die richtige Abschreibungsdauer bestimmen

Die Abschreibungsdauer ist nicht beliebig. Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht regelmäßig sogenannte AfA-Tabellen. Diese sind für Ihren Sachverständigenstand maßgebend und geben für jede Art von Betriebsmittel eine normale Betriebsdauer vor.

Ein paar Beispiele aus den aktuellen Tabellen:

Haben Sie einen besonderen Fall, bei dem Sie nachweisen können, dass ein Betriebsmittel kürzer genutzt wird als in den Tabellen vorgegeben, können Sie eine kürzere Abschreibungsdauer wählen. Das erfordert aber ein Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen.

Abschreibung in der Buchhaltung richtig erfassen

In Ihrer Buchhaltung müssen Abschreibungen korrekt erfasst werden. Das funktioniert so:

Im Rechnungswesen

Am Ende eines jeden Geschäftsjahres werden die geplanten Abschreibungen erfasst. Die Journalisierung erfolgt typischerweise:

Beispiel: Ein Fahrzeug mit Anschaffungskosten von 30.000€ und 5 Jahren Nutzungsdauer wird mit 6.000€ pro Jahr abgeschrieben. Die Eintragung am Ende des Jahres:

In der Bilanz

In der Bilanz wird das Betriebsmittel mit seinem sogenannten Buchwert dargestellt. Das ist der Anschaffungswert minus der bis dahin aufgelaufenen Abschreibungen.

Nach Jahr 1: 30.000€ – 6.000€ = 24.000€ Buchwert
Nach Jahr 2: 30.000€ – 12.000€ = 18.000€ Buchwert
Nach Jahr 5: 30.000€ – 30.000€ = 0€ Buchwert (vollständig abgeschrieben)

Häufige Fehler bei der Abschreibung

Bei der Abschreibung passieren immer wieder typische Fehler, die zu Betriebsprüfungen führen können:

Fehler 1: Keine oder falsche Abschreibungen

Viele Unternehmer vergessen ganz, Abschreibungen vorzunehmen, oder schreiben zu schnell ab. Das Finanzamt wird das bei einer Prüfung korrigieren und kann Strafzinsen erheben.

Fehler 2: Grenze von 800€ überschritten

Ein Betriebsmittel kostet 850€. Es muss abgeschrieben werden, es kann nicht sofort abgesetzt werden. Wer hier nicht genau hinschaut, macht einen teuren Fehler.

Fehler 3: Falsche Nutzungsdauer angesetzt

Die AfA-Tabellen müssen eingehalten werden. Wer ein Fahrzeug über 10 Jahre abschreibt statt über 5, agiert zu optimistisch und riskiert Nachzahlungen.

Fehler 4: Private und betriebliche Nutzung vermischt

Ein Fahrzeug wird privat und beruflich genutzt? Dann darf nur der betriebliche Anteil abgeschrieben werden. Ohne Nachweise (Fahrtenbuch) kann das Finanzamt einen pauschalen Anteil ansetzen.

Abschreibung und Steueroptimierung

Richtig eingesetzt, ist die Abschreibung ein Hebel zur Steueroptimierung:

Häufig gestellte Fragen

Was ist Abschreibung (AfA)?

Abschreibung (AfA - Absetzung für Abnutzung) ist eine Betriebsausgabe, die es Unternehmern ermöglicht, die Anschaffungskosten von Betriebsmitteln über mehrere Jahre steuerlich geltend zu machen. Der Betrag wird entsprechend der wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Gegenstands auf die einzelnen Jahre verteilt.

Welche Wirtschaftsgüter können abgeschrieben werden?

Abgeschrieben werden können alle Betriebsmittel mit einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr, wie Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude, Ausrüstungen und Mobiliar. Nicht abschreibbar sind Betriebsmittel mit sehr kurzer Nutzungsdauer und Grundstücke/Grund und Boden.

Was ist der Unterschied zwischen linearer und degressiver Abschreibung?

Bei der linearen Abschreibung wird der Wert des Wirtschaftsgutes gleichmäßig verteilt. Bei der degressiven ist der Abschreibungsbetrag in den ersten Jahren höher und sinkt danach. Seit 2021 ist die degressive Abschreibung für neue bewegliche Wirtschaftsgüter wieder möglich.

Können kleine Anschaffungen sofort abgesetzt werden?

Ja. Betriebsmittel mit Anschaffungskosten bis 800 Euro (netto) können sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Höherwertige Gegenstände müssen über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

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